Wieso ich kein Instagram mehr benutze

Ich benutze kein Instagram mehr. Ich habe all meine Fotos in einem Archiv auf meiner eigenen Website veröffentlicht und nun mein Profil erst einmal still gelegt. Noch nicht gelöscht, wer weiß wofür man das noch einmal braucht, aber wenigstens sind dort nun keine Fotos mehr von mir öffentlich und auch ist die App nicht mehr auf meinem Handy.

Wie ich in den Einstellungen sehen kann, habe ich meinen Account am 4. Mai 2013, kurz vor meinem 14. Geburtstag erstellt. Damals tat ich dies heimlich, bloß irgendwann bekamen meine Eltern durch verschiedene Überwachungsmaßnahmen Wind von der Sache. Ich war experimentierfreudig, habe oft meinen Benutzernamen geändert, Fotos veröffentlicht, dann wieder gelöscht und hatte zeitweise auch einmal die Trennung von privatem und öffentlichen Account, weil ich mich scheinbar für sehr wichtig gehalten habe.

Eigentlich müsste ich Instagram dankbar sein. Über die 6 Jahre seit Kontoerstellung bin ich dank Instagram mit einigen Menschen in Kontakt gekommen. Ohne Instagram wäre ich jetzt nicht in einer glücklichen Beziehung.

Aber Instagram hat sich auch verändert. Ich bin zwar Instagram beigetreten, nachdem Facebook die Plattform im April 2012 übernommen hat, aber erst in letzter Zeit scheint Facebooks Einfluss immer größer geworden zu sein und selbst die Gründer arbeiten dort nicht mehr.

Jeder neue Facebook-Skandal sollte eigentlich dazu anregen, alle Accounts, die man auf Plattformen dieser Firma besitzt, zu löschen (es gibt für alle gute Alternativen: Mastodon, Pixelfed, Telegram, …). Meinen Facebook-Account selbst habe ich schon vor ein paar Jahren gelöscht. Dadurch, dass ich Instagram nun erstmal nicht mehr nutze, komme ich auch der Löschung dieses Accounts näher. In einer Welt, in der sich die Menschen, besonders auch meine Informatik-Kommilitonen, für Datenschutz interessieren würden, bräuchte ich auch kein WhatsApp mehr, aber die Welt ist nunmal nicht perfekt.

Mit dem Schritt der Archivierung auf meiner eigenen Website, über die ich volle Kontrolle habe, sorge ich nicht nur für mehr Privatsphäre und Datenschutz, ich gehe auch einen Schritt hin zu mehr IndieWeb. Mit meinem englischen Blog (auf dem aktuell die Postfrequenz deutlich größer ist als hier auf einGeek), gehe ich diesen Weg bereits seit einiger Zeit. Anstatt meine Gedanken (meinen Content) auf Plattformen wie Medium, Twitter oder eben Instagram zu veröffentlichen - Plattformen auf denen ich eigentlich keine Kontrolle über meinen Inhalt habe - benutze ich meine eigene Website. Jeder kann sich meine Beiträge ansehen ohne für Werbungsoptimierung überwacht zu werden. Meine Seite hat keine nervigen Cookie-Banner - weil sie keine Cookies setzt und auch keine Werbung anzeigt. Solange ich für den Server und die Internetaddresse bezahle, sollte meine Website verfügbar sein.

Das IndieWeb ist noch nicht für jeden, eine Nutzung setzt aktuell meist noch technische Kenntnisse vorraus. Aber besonders weil ich über die nötigen Kenntnisse verfüge, will ich ein Vorreiter sein und dafür sorgen, dass das Internet wieder ein bisschen weniger unabhängig von großen amerikanischen Firmen (die uns für maximalen Profit auspionieren) wird.

20-Jähriger Student, der auf diesem Blog aus seinem Leben berichtet.