Freitag Abend

Freitag Abend. Ich. Allein. Vor meinem Computer sitzend.

Was machen normale Studenten eigentlich zu dieser Zeit? Manche Informatik-Studenten, wie ich, sitzen wahrscheinlich auch gerade vor ihren Rechnern und verbringen ihre Zeit wie immer. Internet oder Programmieren.

Andere machen vielleicht gerade Party. Im Club. Bei Freunden. Saufen?

Aber das ist nicht meine Welt. Viel zu laut. Zu voll. Zu eng. Ich mag das nicht. Alkohol auch nicht.

Ich mag das Surfen im Internet auf der Suche nach Neuem. Interessanten. Spannenden. Ziellos und ohne Plan. Hauptsache ich finde etwas Neues, etwas das mich begeistert.

Und ja das tue ich auch meistens. Meistens sogar so spannend, dass ich, obwohl ich mir vornehme um 10 Uhr abends das Licht auszumachen und ins Bett zu gehen, um am nächsten Tag produktiv lernen zu können, meist doch erst kurz vor oder sogar nach Mitternacht ins Bett komme.

Ich scrolle durch die Artikel, die mein RSS-Reader gesammelt hat. Scrolle durch Twitter. Und natürlich durch das Fediverse. Dabei mache ich immer Links in neuen Tabs im Browser auf.

Wenn ich fertig gescrollt habe, werden endlich die neu geöffneten Tabs begutachtet. Bei manchem war’s doch nur ein catchiger Titel, der mich zum Klicken gelockt hat. Aber manchmal ist halt doch was spannendes dabei. Ein Blog-Artikel über ein Thema das mich interessiert. Ein spannendes Video. Vielleicht sogar ein Podcast?

Wenn ich das Thema noch nicht kenne, suche ich nach weiteren Artikeln über das Thema. Ich schau mir an, was die Person, die dort geschrieben hat, noch so veröffentlicht. Oh, spannend! Füg ich doch gleich den Feed auch zu meinem RSS-Reader hinzu… Folge vielleicht noch auf Twitter.

Ich bin durstig. Nach Neuem. Ich liebe diese Kaninchenlöcher, die einen aufsagen, während man selbst Wissen und Erfahrung aufsaugt.

Manchmal ist es auch nicht nur einfach ein spannender Artikel. Es ist ein Artikel über eine neue Programmiersprache, ein Framework oder ein Projekt, was es gilt auszuprobieren. Damit zu experimentieren. Selbst versuchen es zu nutzen. Und am Ende gelernt zu haben, ob es einem vielleicht das Leben einfacher machen kann oder man doch lieber drauf verzichtet.

Bloß eine Gefahr die beim Surfen lauert: Das Finden von Meinungsbeiträgen, die in starkem Gegensatz zu der eigenen Meinung stehen. Klimaleugner oder abgehobene und weltfremde Politiker etwa. Da lerne ich dann nichts was mich begeistert, sondern nur wen ich bei der nächsten Wahl auf jeden Fall nicht wähle, es lässt meinen Wutpegel ansteigen und verstärkt meinen pessimistischen Zukunftsblick. Anstatt meine Zeit mit so etwas zu vergeuden, hätte ich auch zum Saufen gehen können.

Über jlelse
20-Jähriger Student, der auf diesem Blog aus seinem Leben berichtet.