Warum DU mich zu einem “Wutradler” machst

Ein Statement

Ich bin Radfahrer. Nicht Sonnentags-Radfahrer wie DU, so wie es Zeit-Autor Hannes Schrader so schön in seinem Artikel “Ich bin Wutradler, und Sie sind schuld” beschreit. Und er hat Recht.

Vor etwa zwei Jahren hatte ich ein Ereignis, welches bis heute mein Fahrverhalten und meine Haltung gegenüber rücksichtslosen Autofahrern prägt. In dem Vertrauen an Einhaltung der Verkehrsregeln fuhr ich in einer recht engen Straße an parkenden Autos vorbei. Weit genug. Dachte ich. Falsch!

Fünf Zentimeter zu dicht!

Es geschah so schnell, dass ich gar nicht mitbekam, was gerade geschah. Saß ich vor weniger als einer Sekunde noch auf meinem Rad und fuhr ziemlich zügig mit knapp 30 Kilometern pro Stunde, lag ich nun auf dem Asphalt. Auf der Seite, abgestützt auf meinem Arm.

Der Schock saß tief in mir. So tief, dass ich keine Schmerzen verspürte und vergaß die Polizei zu rufen, was mir bei einem eventuellen Gerichtsverfahren möglicherweise ein deutlich höheres Schmerzensgeld eingebracht hätte.

Nachdem ich mich mit Hilfe der Verursacherin und einigen Passanten aufgerappelt hatte und ja anscheinend keine bleibenden Schäden hatte, fuhr ich so gut es ging Richtung Zuhause. Lediglich den Namen und die Adresse der Schuldigen hatte ich. Was doch ganz gut war, wie sich später herausstellte.

Zuhause angekommen, hatte ich arge Probleme meine dicke Winterjacke auszuziehen (in der ich ebenfalls ein Loch entdeckte). Mein Arm ließ sich sehr schwer bewegen und tat doch irgendwie etwas weh. Ich musste ihn mit meiner anderen Hand stützen.

Dann also mal am besten zum Arzt…

…, dachte ich, und tat dies dann auch. Bei einem Chirurgen in der Innenstadt wartete ich dann eine halbe Stunde im Wartezimmer, bis ich dann ins Behandlungszimmer gerufen wurde. Den Chirurgen durfte ich bereits ein halbes Jahr früher kennen lernen, aufgrund eines gebrochenen kleinen Zehs (diesmal nicht induziert durch Radfahrer).

Es stellte sich heraus, dass mein Arm stark geprellt war. Ich bekam Fieber, mir ging es extrem dreckig. Dank DIR, du rücksichtslosem Autofahrer (oder Sonnentags-Radfahrer)!

Später klärte sich dann auch auf, wie all dies Unglück passiert war. Die Verursacherin, DU könntest genau so sein, hatte ohne einen Schulterblick zu machen, ihre Tür geöffnet, gerade als ich dran vorbei fuhr. Die Pedale verhakte sich an der Tür und brachte mich mit meinem Fahrrad zum Sturz.

Ende der Geschichte: Ich bekam eine Fahrrad-Reparatur, eine neue Jacke, eine neue Hose und 300€ Schmerzensgeld von der Versicherung. Hätte ich die Polizei gerufen, hätte ich wohl auch Anzeige erstatten können und eventuell ein bisschen mehr raushohlen können. Aber Schmerzen lassen sich nicht durch Zahlungen ausgleichen! Ich bin geprägt für’s Leben!

Und deswegen bin ich jetzt “Wutradler”…

Ich fahre, genau wie der sympathische Zeit-Autor, mitten auf der Fahrbahn, lasse fast zwei Meter Abstand zu parkenden Autos, fahre auf der Straße, wenn es keinen nutzungspflichtigen Radweg gibt und rege mich auf über jeden Autofahrer, der mit voller Geschwindigkeit durch Pfützen fährt und mich dann komplett nass macht. Vielleicht sollte ich mir nächstes Mal das Kennzeichen aufschreiben…

Und natürlich fahre ich besser Auto als DU! Ich halte mich an alle Verkehrsregeln, machen einen Schulter-Blick beim Abbiegen und Überholen und halte beim Überholen eines Fahrradfahrers, egal wie langsam er fährt, mehr als die erforderlichen Ein Meter Fünfzig Abstand! Denn ich bin nicht so asozial, wie DU!

Hast DU schon einmal gehört, dass man beim Einbiegen in eine Straße mit Radweg VOR diesem und nicht AUF diesem anhalten soll? Nein? Dann weißt DU es jetzt! Es gibt nichts blöderes, als mitten im strömenden Regen mit dem Fahrrad unnötig anhalten zu müssen, weil DU diese mit Gründen aufgestellten Regeln missachtest.

Und noch eine Sache stört mich… Wenn DU dann doch einmal mit deinem Radel unterwegs sein solltest, fährst DU dann auch noch auf der falschen Seite auf dem Radweg und lässt mich gefährliche Ausweichmanöver machen, weil ich natürlich jetzt immer mit dem größten Arschloch rechnen muss. DU bist echt gemeingefährlich!

Ich bin und bleibe Wutradler…

Solange es noch von Menschen bediente Autos und Radfahrer gibt. Denn ich hoffe doch stark, dass wenigstens autonome Fahrzeuge sich an all die Paragraphen aus der StVO halten. Wenn sich Google also bitte ein bisschen beeilen würde…

Oder soll ich doch schwarz für die Zukunft sehen? Denn anscheinend werden wir es nicht einmal schaffen, in zehn Jahren nur noch E-Autos auf unseren Straßen zu haben. Daimler rechnet 2025 nur mit einem Anteil von 25% der elektrischen Alternativen. Mal schauen, wann Benziner und Diesel nicht mehr funktionieren werden, weil unser kostbares Erdöl verbraucht ist. Lange dürfte das nicht mehr dauern, bis der Liter Diesel 100€ kostet.

Aber um das Kern des Problems noch einmal auf den Punkt zu bringen: DU bist rücksichtslos, sowohl als Autofahrer, als auch Fahrradfahrer, denn du missachtest Gesetze und Regeln und gefährdest das Leben anderer Verkehrsteilnehmer!

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Über jlelse
20-Jähriger Student, der auf diesem Blog aus seinem Leben berichtet.