Wie du jeden Lauf überstehst

Lenke deinen Fokus nicht auf den Körper sondern deinen Geist

Es ist Zeit mal wieder etwas zu unternehmen, dass nichts mit der Schule zu tun hat oder sonstige geistige Leistung beansprucht. Wobei “geistige Leistung” erfordert auch das Laufen indirekt. Warum, dass ließt du hier…

Du hast gerade den ersten Schwung Abitur-Klausuren hinter dir — die waren ganz passabel, jedenfalls deutlich leichter als erwartet — , brauchst nun endlich nicht mehr jeden Tag 5 Stunden die örtliche Stadt- oder Universitätsbibliothek aufsuchen um zu lernen, hast nicht mehr die ganze Zeit dieses Unterbewusstsein, dass du dir ja eigentlich keine Zeit nehmen kannst, um mal etwas zu machen, dass dir selber gut tut. Du fühlst dich frei. Losgelöst von all dem Stress, der dich die letzten Wochen und Monate ständig auf Schritt und Tritt begleitet hat. Wie wäre es da mal mit Laufen?

Ja, Laufen mag für den ein oder anderen eher eine Qual als Entspannung sein. Dieses ganze Rumgerenne, ist das nicht eigentlich sinnlos? Warum tun sich manche Leute das an und finden es toll so zu schwitzen? Ist es nicht viel entspannender einfach auf der Couch zu sitzen und sich ein paar Folgen der Lieblingsserie auf Netflix zu gönnen?

Wer so denkt, hat noch nie erlebt, wie es sich anfühlt einfach zu laufen. Zu laufen und dabei den Alltag zu vergessen. Die Natur zu spüren und einfach mal tief Luft zu holen. Luft, die nicht nach Abgasen riecht, sondern nach diesem typischen Waldgeruch. Einfach herrlich. Du lässt deine Gedanken zurück und läufst dem Ziel entgegen, variierst den Weg so, wie du möchtest.

Denn beim Laufen kommt es nicht drauf an, die zehn Kilometer in 40 Minuten zu schaffen, es spielt keine Rolle, wie hoch dein durchschnittliches Tempo ist oder wie hoch die Anzahl an Kilometern ist, die du bereits hinter dir hast. Es kommt drauf an die Möglichkeit zu finden, abschalten zu können.

Das Abschalten funktioniert ganz gut, schon allein durch die Tatsache, dass du beim Laufen je nach Anstrengung bereits körperlich ausgelastet bist. Oder du nimmst dir einfach dein Handy oder notfalls auch einen MP3-Player und hörst ein paar Podcasts, die dich interessieren oder vielleicht sogar zum Nachdenken anregen. Wenn du Hörspiele magst, eignen sich diese natürlich auch hervorragend.

Wenn du irgendwann nach dem Start deinen individuellen Rhythmus gefunden hast, wenn du nicht mehr über jede Bewegung nachdenken musst, konzentriere dich ganz auf die Story des Hörspiels oder den Gedankengang des Podcasts und versetze dich hinein. Ich selber mag sehr gerne Podcasts, die mich anregen, über mein Leben nachzudenken und mir Möglichkeiten zeigen, wie ich es vielleicht besser meistern kann.

Erst letztens habe ich einen Podcast gehört, in dem der Sprecher über ein Buch geredet hat, indem die Autorin — so eine Professorin einer medizinischen Universität in London — darüber geschrieben hat, warum dieses weit verbreitete “Positive thinking” manchmal einfach falsch ist. Nicht etwa, weil sie schlechte Stimmung verbreiten will, sondern weil es sein kann, wenn man immer daran glaubt, mit dem richtigen Willen alles schaffen zu können, mit dem Laufe der Zeit unglücklich wird, weil das Leben von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt wird und nicht nur vom eigenen Willen. Auch zeigt sie gute Möglichkeiten, wie man “emotional flexibel” sein kann. Sehr interessantes Thema. Der Podcast ist auf Spotify zu finden.


Aber nun zurück zum Laufen. Du läufst nun also und bist so richtig im “Flow”. Auch wenn du bisher immer dachtest, du schaffst nie 10 Kilometer, weil dein Körper es nicht könne, plötzlich hast du diese Grenze schon überschritten. Denn dein Kopf konzentriert sich nur auf das, was du da gerade hörst und ignoriert einfach deine Beine, die vielleicht schon erste Ermüdungssignale senden. Du trickst deinen Kopf aus, in dem du ihm Input gibst, den er noch nicht kennt, den er verarbeiten muss.

Das ist der wahre Trick an der ganzen Sache: Gib deinem Kopf Nährstoffe. Gib ihm etwas, das er noch nicht kennt. Würdest du jeden Tag gerne das gleiche zum Mittagessen essen?

Deswegen habe ich auch ein gespaltenes Verhältnis zu Musik beim Laufen. Einerseits pusht dich der Beat — der am besten deinem Schritttempo nahe kommt — allerdings ist es auch ziemlich öde jedes Mal das gleiche zu hören. Wie immer: Die Mischung machst. Höre vielleicht zuerst einen Podcast / ein Hörspiel und auf den letzten Kilometern ein paar Lieder, die einen schnellen Rhythmus haben.


Aber da der Mensch ja nicht nur zwei Sinne (Hören und Fühlen) hat, spielt auch noch ein dritter Sinn (Sehen) hinzu. Hä? Was hat jetzt sehen mit Laufen zu tun, magst du dich jetzt vielleicht fragen. Aber denke einmal drüber nach…

Na, bist du drauf gekommen? Natürlich! Die Laufstrecke hat auch einen sehr großen Einfluss auf deine individuelle Lauferfahrung, deine Motivation und möglicherweise auch deine Ausdauer. Denn mit dem Sehen verhält es sich wie mit dem Hören, keine Abwechslung führt zu keinem Spaß.

Aus der Erfahrung kann ich sagen: Such dir deine Strecke bereits vorm Start heraus. In Apps wie Runtastic etwa findest du Routen von Leuten in deiner Gegend und kannst diese einfach als Basis für deinen eigenen Lauf nehmen. Und wenn du nach der Hälfte des Laufes das Gefühl hast, dass das ja noch nicht die Hälfte gewesen sein kann, verändere die Route einfach frei Schnauze. Wie wäre es damit nochmal kurz einen Abstecher zu machen?

Wenn es immer was Neues zu entdecken gibt, freust du dich trotz all der Erschöpfung — die aber nur halb so schlimm ist, da du ja viel erlebt hast — bereits auf das nächste Mal. Und beim nächsten Mal braucht es nicht mal mehr die Überwindung, die vielleicht am Anfang da war? Ist das Wetter denn überhaupt gut genug? Nee irgendwie fühl ich mich heute nicht so gut…


Wenn du diesen Tipps beziehungsweise Inspirations-Vorschlägen folgst, wird dein Lauf nicht nur zu einer tollen Erfahrung, sondern macht dich indirekt auch fitter. Wie? Durch mehr Motivation, ziehst du öfter deine Sportschuhe an und startest einen kleinen Run und je öfter du dies tust, desto mehr freut sich auch dein Körper.

Hast du auch weitere Tipps? Wie findest du immer die nötige Motivation? Was bringt dich dazu, freiwillig zu dermaßen zu schwitzen und Gas zu geben?

Über jlelse
20-Jähriger Student, der auf diesem Blog aus seinem Leben berichtet.