Wie wir uns freiwillig verfolgen lassen…

Oder ob der Google Assistant es wert ist, den Suchverlauf zu aktivieren

Google hat einen Assistenten. An sich ein klasse Sache, kann dieser doch mit Rat und Tat zur Seite stehen und bei etlichen Dingen im Alltag unter die Arme greifen. Wie komme ich da und da hin? Wann ist mein nächster Termin? Bestelle mir eine Pizza! Es gibt noch viel mehr Beispiele…

Doch auf was muss ich mich einlassen, wenn ich versuchen will, diesen Assistenten in Betrieb zu nehmen? Nun ja, man muss erstmal sämtlichen Suchverlauf, Standortverlauf, Geräteverlauf und im Prinzip alle möglichen Einstellungen, die ein an Privatsphäre interessierter Nutzer bei Google deaktiviert hat, aktivieren.

Nun, da dies geschehen ist, wirst du in Zukunft immer fähig sein, nachzuschauen, wann du was gesucht hast, wo du wann warst und wann du welche App benutzt hast. Ebenso wirst du dir noch einmal anhören können, was du so mit Google geredet hast, denn alles wird aufgezeichnet und mit deinem Account assoziiert gespeichert.

Die oben genannten Punkte wären ja nicht so schlimm, wüssten wir, dass nur wir den Verlauf später sehen können. Denn es lässt sich mit Sicherheit sagen, dass Google die Daten so oder so speichert, sie bloß eben nicht in deinem Account zu sehen sind.

Aber wir können uns nicht sicher sein, dass “nur wir” auf die Daten zugreifen können. Kein System ist fehlerfrei und somit auch keines unknackbar. Früher oder später lassen sich Sicherheitslücken aufwinden und Hacker können eindringen. Oder du bist zu faul und nimmst überall dasselbe Passwort und verrätst es dann auch noch wem anders. Was diese dann mit den erlangten Daten machen, bleibt ihnen überlassen. Und wenn sie versuchen dich damit zu erpressen, steckt du tief im Mist. Stell dich schon mal auf Drohungen ein, wie “Zahle 1000€ oder deine Frau wird erfahren, dass du sie betrogen hast!”.

Aber auch wenn du nichts “Verbotenes” getan hast, nie nach irgendwas gesucht hast, womit du nicht einverstanden wärst, dass die ganze Welt davon wüsste, oder nie sonst irgendwas gemacht hast. Wärst du damit einverstanden, dass du nächstes Mal auf dem Weg zur Arbeit überfallen wirst. Schließlich lässt sich der Weg dank deines Standortverlaufs ja rekonstruieren.

Du gibst freiwillig ein Stück Privatsphäre auf. Das vielleicht letzte Stück, was uns in der heutigen Welt noch bliebt, wo immer und überall unser Verhalten gespeichert und analysiert wird, um “Produkte zu verbessern”. Wo wir nie sicher sein können, das wir nicht gerade durch einen Trojaner auf unserem Rechner oder Telefon überwacht werden. Vielleicht sogar durch den Staatstrojaner?

Aber wir können uns schützen. Durch ein paar simple Methoden:

  1. Immer, wenn beim Einrichten neuer Apps danach gefragt wird, ob unser Nutzungsverhalten analysiert werden darf, die Option deaktivieren.
  2. Bei Google, Facebook und Co. überprüfen, wie der Stand unsere Privatsphäre-Einstellungen ist.
  3. Unterschiedliche Passwörter verwenden, am besten in Kombination mit 2-Faktor-Authentifizierung.
  4. Etablieren eines Mindset, dass wir nicht immer für jeden neuen Spielkram, all unsere Prinzipien aufgeben müssen, dass wir ruhig mal auf den Assistenten verzichten, wenn er zu sehr will, dass wir alle möglichen Verläufe aktivieren sollen.
Über jlelse
20-Jähriger Student, der auf diesem Blog aus seinem Leben berichtet.