DU BIST FREI!

Eine Hymne auf die Freiheit — und warum wir dabei sind sie zu zerstören

Zugefrorener See

Freiheit ist wertvoll. Warum? Weil wir ohne Freiheit nicht glücklich leben könnten.


Ich bin kaputt.

Kaputt von den Klausuren der letzten Woche.
Aber ich bin noch nicht fertig.
Noch eine nächste Woche.
Noch einmal Lernen bis spät in den Abend hinein.
Noch einmal Angst nicht alles gelernt zu haben.
Noch einmal ein bisschen Koffein, um in der Klausur auch ohne Müdigkeit volle Kraft zu haben.
Noch einmal die ständige Frage nach der Bearbeitung, ob man auch alles ausreichend und ausführlich genug bearbeitet hat.
Der kalte Schweiß, wenn man eine Formel in Mathe vergessen hat.
Die Panik, wenn das Kontrollergebnis von dem eigenen abweicht.

Aber ich mache es freiwillig.

Ich mach es für meine Zukunft.
Für meine Karriere.
Für meine finanzielle Situation.
Für meine soziale Situation.
Dafür, dass ich nicht auf der Straße lande und nach meinem Tod niemand weiß, wer ich überhaupt bin.

Ich bin froh, dass ich frei bin.

Ich bin froh, dass ich in die Schule gehen darf.
Was lernen darf.
Das Gelernte frei von Zensur und Propaganda ist.
Dass ich nach der Schule den Beruf ausüben darf, den ich ausüben will.
Alles zahlt sich irgendwann aus.

Wenn wir frei sind, vergessen wir manchmal, dass wir frei sind.

Wir vergessen es zu genießen.
Wir vergessen es zu erhalten.

Wir regen uns auf.

Über das System.
Über die Leute, die über uns stehen.
Über die, die mehr Geld haben.
Die, die einfach nur Glück hatten.
Wir vergessen, denen zu danken, die uns diese Freiheit gebracht haben.
Die uns die Möglichkeit gegeben zu haben, nicht aufgrund unserer Religion, Hautfarbe, sexueller Orientierung diskriminiert zu werden.
Die uns die Freiheit der Medien gebracht haben.
Die uns durch die Verfassung schützen.

Wir nutzen es aus.

Denken wir sind schlauer.
Denken wir können es besser.
Denken früher war alles besser.

Aber wir sind dumm.

Zu dumm, um zu realisieren, dass wir nicht schlauer sind.
Es nicht besser können.
Und früher auch nicht alles besser war.

Wir fühlen uns — obwohl wir glücklich sein müssten — dreckig.

Sind unzufrieden.
Genuss-los.
Egoistisch.
Sauer.

Aber was ist mit unserer Verantwortung?

Die wir gegenüber der folgenden Generationen tragen.
Durch die wir unseren Nachfahren eine frei Welt ermöglichen sollten.

Anstatt alte Strukturen wiederherzustellen sollten wir vorschreiten.

Wir sollten offener werden.
Offen für andere.
Offen für jeden.
Wir sollten aus totalitären Staaten Demokratien machen.
Diktaturen beenden.
Nationalismus verbannen.
Protektionismus aufgeben.

Aber wir machen es nicht und schaffen damit die Freiheit ab.

Über jlelse
20-Jähriger Student, der auf diesem Blog aus seinem Leben berichtet.