Content overflow — Ich lese zu viel

Lesen, lesen, lesen. Millionen Wörter pro Tag.

Milliarden Buchstaben pro Tag. Overflow. Überlauf an Inhalt. Ich kann nicht mehr denken. Hilfe!

Es ist ein echtes First-World-Problem, aber es belastet mich. Mein Problem: Ich lese zu viel. Zu viel online. Zu viel Inhalt ohne Inhalt. Das meiste sinnlos. Es brennt mein Hirn aus, es macht mich unkreativ, es macht mich träge, es lenkt ab.

Ich glaube viele Blogger fühlen mit mir. Da ist plötzlich dieser Facebook-Post. Der Post mit dem Bild, das schreit “Klick mich!”. Und, obwohl ich weiß, was Clickbait ist und dass der Betreiber der Seite nur auf meine Werbungs-Klicks aus ist, klicke ich. Fange an zu lesen, lese Bullshit. Mein Hirn überlädt sich.

Am besten wäre, ich würde für eine bestimmte Zeit offline gehen. Aber das ist nicht möglich. Wer soll dann meinen Blog weiterführen, wer regelt meine Mails, wie bekomme ich die wichtigen Infos, die nur online zu haben sind. Eine Welt ohne Internet? Undenkbar!

Der Einleitungssatz ist langweilig. Ich überspringe die nächsten Zeilen und schaue mir nur die Bilder und Überschriften an. Wie Zeitungslesen. Wenn es einem zu doof wird, kümmert man sich nur noch um das Wesentliche und das sind die Überschriften. Medien im 21. Jahrhundert: Scheiß auf Content, Headlines und Bilder sind das A und O.

Mein Konsum fängt mit dem A morgens an, hat aber kein O. Aufstehen, lesen, Essen, lesen, Zähne putzen, lesen. Unterricht zu lahm? Handy raus, Artikel lesen. Lesen impliziert hier natürlich, dass ich nur auf das oben genannte Wesentliche achte. Ende des Tages ist frühestens um null Uhr des folgenden Tages.

Manchmal lese ich aber auch den Inhalt. Wenn der Satzrhythmus stimmt, er ein interessantes Thema hat oder mir aber auch einfach langweilig ist. Als Stimulation. Abschalten.

Ist es vielleicht nur eine Blogger-Krankheit? Lesen um gelesen zu werden? Ist es das Prinzip der Gleichberechtigung? Also einen Artikel lesen, damit meine eigene Seiten einen Aufruf bekommt?

Das Internet befreit nicht nur, es kann auch einengen, dich zwingen, dich ausbrennen. Ok Burnout hatte ich noch nicht und werde es hoffentlich auch nie bekommen, aber manchmal bin ich kurz davor. Kurz davor entweder zu explodieren oder einzuschlafen, in einen Schlaf, nachdem ich mir abschwören werde, jemals wieder einem Bildschirm zu nahe zu kommen.

Ich muss mich unter Kontrolle kriegen…

Über jlelse
20-Jähriger Student, der auf diesem Blog aus seinem Leben berichtet.