Letztes Jahr im Sommer fing es an. Vorbei war die Schule, plötzlich war Zeit nicht mehr so knapp, wie sie einmal war, Zeit für Langweile, aber auch Zeit für Gedanken. Gedanken über alles mögliche, unter anderem auch über den Tagesablauf.


Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir nie die Frage gestellt, wann ich denn nun aufstehen soll. 5 Uhr? 6 Uhr? Oder doch lieber noch länger, so bis 10 Uhr? Es gab einen festen Rhythmus, die Schule hatte morgens immer gerufen und wenn dann mal die Möglichkeit bestand bisschen länger im Bett zu bleiben, wurde die auch genutzt.

Doch ich gehörte nie zu denen, die es schaffen bis nachmittags zu schlafen, wenn sie vorher nicht geweckt werden. Schon als Kind war ich morgens gerne mal schon um 6 auf den Beinen und das nicht, weil meine Eltern mich aus dem Bett gezerrt hätten. Lange Schlafen war irgendwie nichts für mich.


Letztes Jahr dann war es plötzlich egal, wann und ob ich überhaupt aufstehe. Aber schon allein die Vorstellung den ganzen Tag im Bett liegen zu bleiben und die Zeit so vorüber streichen zu lassen, grausam. (Meist hab ich es trotzdem gemacht, weil ich ein eher fauler Mensch bin / war.) Während einer einen Monat langen Reise mit einem Freund durch Europa kam mir dann, warum auch immer, in den Sinn, ich könnte ja mein Leben umkrempeln. Schluss damit, dass Leben nur passiv zu erleben, aktiv wollte ich von nun an leben. Ich hatte mir einen Punkteplan geschrieben, mit all den Sachen die ich ändern wollte. Schluss mit Zeitvergeudung durch Entertainment, gesündere Ernährung, jeden Tag Laufen und eben auch jeden Tag früh aufstehen (um dann zu laufen).

Hat eine Zeit lang super geklappt, auch als dann mein Studium mit der Praxisphase anfing. Jeden Tag morgens um halb sechs aufgestanden, Schuhe angezogen und gelaufen. Statt YouTube zu genießen eine endlose Anzahl an Artikeln geschrieben und auch mal selbst gekocht (wobei das dann doch ziemlich schnell endete).

Bloß mein Plan war wohl nicht Langzeit-tauglich genug und / oder das Schicksal konnte die Hände nicht aus meinem Leben lassen. Erst zwangen mich Knieschmerzen das tägliche Laufen zu beenden, dann sorgten familiäre Umstände dafür anderen Sachen Priorität zu geben.


Doch in den letzten Monaten haben sich die Umstände wieder schrittweise verbessert. Nicht nur mein Knie ist wieder Intakt, auch die sonstigen Umstände sind wieder so, dass Zeit ist, sich um sich selbst zu kümmern.

Seit eineinhalb Monaten laufe ich wieder, seit einer Woche auch morgens. Nein, nicht jeden Tag, schließlich habe ich aus meinen Fehlern gelernt und achte nun besser auf meinen Körper. Auch wenn es anfangs keine Schmerzen gibt, der Körper lässt nicht alles mit sich machen und irgendwann rächt er sich, wenn man im nicht die nötigen Ruhephasen gibt, die er verdient.


Aber nun dazu, worum es eigentlich gehen sollte: Die beste Zeit des Tages. Für mich ist das eindeutig der Morgen!

Wieso? 5 Gründe, die mir in den Sinn kommen:

  • Ich glaub, dass wenn man den Tag voller Energie und Motivation beginnt, auch über den restlichen Tag produktiver und aktiver ist.
  • Wenn man den Morgen statt mit Stress in Ruhe beginnt, etwa ausgelassen frühstückt, ist man resistenter gegen "Stressmacher".
  • Der Morgen bietet die optimale Gelegenheit sich mit den Dingen auseinander zusetzen, die im späteren Verlauf auf einen zukommen werden.
  • Die meisten Leute schlafen morgens noch, deswegen hat man meist seine Ruhe, Zeit für sich.
  • 2 Stunden früher aufstehen, heißt bei mir 2 Stunden mehr Zeit, weil nach einer bestimmten Uhrzeit schaffe ich abends meist eh nichts mehr.

Das beste aber ist, wenn man morgens aufsteht und bereits nach 1,5 Stunden 3 Sachen erledigt hat (Laufen, Brötchen kaufen, Frühstücken), dann fühlt sich das verdammt gut an, so produktiv.

Mittlerweile habe ich mich sogar schon so dran gewöhnt, dass ich das Laufen an den Tagen, wo ich es meinem Körper zuliebe nicht tue, vermisse und morgens meist ohne einen Wecker zu stellen aufwache.


Natürlich hängt es vom eigenen Typen ab, ob man eher Lerche oder Eule ist und auch ob man bereit ist, sich morgens freiwillig so zu quälen, aber das ist jedem selbst überlassen. Für mich ist es dass eindeutig wert abends vielleicht mal nicht erst um Mitternacht ins Bett zu gehen und morgens statt um 7 um 5 aufzustehen. Zwar heißt das meistens auch, weniger Zeit stundenlang Videos zu konsumieren oder Binge Watching zu machen, aber ist das nicht genau das was ich erreichen wollte?